Alois Hilscher 1939 – 2019

„Ich hatt‘ einen Kameraden….

einen bess’ren find’st du nicht!“

heißt es in einem alten Soldatenlied.

Dieses Motto könnte über den sechzig Jahren stehen, die ich gemeinsam mit meinem lieben Alois verbringen durfte! Er wurde am 10. Mai 1939 in Laa an der Thaya als Sohn eines Tischlergesellen und einer Hausangestellten geboren, also am Beginn eines furchtbaren Krieges, der gerade an der Grenze besonders heftig tobte. In bescheidenen Familienverhältnissen aufwachsend, besuchte er Haupt- und Handelsschule in seiner Heimatstadt.

Obwohl er in einer nicht besonders religiösen Umgebung aufwuchs, erwachte in ihm schon früh die Sehnsucht, ein Leben mit Gott, jedoch mitten in der „Welt“ zu führen. Er trat der Katholischen Jugend seiner Heimatgemeinde bei und freute sich, dort viele Freunde zu finden und bei zahlreichen Veranstaltungen mitzutun. Aber eigentlich hatte ihn ein eher verinnerlichtes Christentum mehr angezogen.

Das Bundesheer war so freundlich, ihn nach Wien zur Telegraphentruppe, wie sie damals hieß, einzuberufen, denn sonst hätte ich meinen geliebten Mann nie kennenlernen können!

Wir trafen einander bei einem Kurs, den wir zum beruflichen Aufstieg absolvieren mussten. Bald stellten wir fest, dass wir viele Interessen auch abseits des Lernens hatten und beschlossen, auf dieser Basis ein gemeinsames Leben zu beginnen. Da wir beide aus armen Verhältnissen kamen, mussten wir sehr sparen, um einen gemeinsamen Hausstand gründen zu können. Da Alois vom Land gekommen war und unsere vier Kinder in unserem früheren Wohnbezirk in Wien kaum Grünflächen zum Spielen hatten, kauften wir, wie viele Familien aus Wien damals, ein Stückchen Land in der Siedlung Maria Theresia.

Nachdem unsere Kinder erwachsen geworden waren, übertrugen wir unsere Eigentumswohnung in Wien einer Tochter und zogen 1992 ganz in unser neugebautes Haus. So schön die Siedlung auch wurde, für Alois und einige Gleichgesinnte fehlte ihr etwas Entscheidendes: eine Kirche. Zwar gab es die ehrwürdige alte Kirche in Sollenau, die anmutige Barockkirche in Theresienfeld und die moderne Kirche in Felixdorf, doch die ständig wachsende Siedlung sollte doch auch eine eigene Kirche haben. Eine Gruppe von Männern trat daher an den damaligen Bischofsvikar Kuntner mit der Bitte um eine Kirche heran. Zunächst aber konnte in einem Privathaus in der Fuchsgasse Messe gelesen werden, dann aber begann endlich der Bau der eigenen Kirche.

Mittlerweile hatte sich schon ein Pfarrgemeinderat gebildet, dem Alois mit großem Eifer angehört hat. „Dem Gottesdienst soll nichts vorgezogen werden!“ so ähnlich lautet eine Klosterregel, wenn ich sie einigermaßen richtig zitiere. Dieser Grundsatz wurde zunehmend auch Alois‘ Devise. Herr Pfarrer Juraj hatte in seiner Ansprache anlässlich der Urnenbeisetzung für meinen Alois Recht: Die Kirche wurde „die zweite Ehefrau“ für Alois, mir kam es oft vor, sie wäre die erste und wichtigste gewesen.

Meine Kinder und ich mussten deswegen oft in der zweiten Reihe stehen, aber wir taten es meist gerne, manchmal murrend, denn wir wollten Alois glücklich sehen! In den letzten sieben Jahren seiner Krankheit zog er sich immer mehr in sein Innerstes zurück, die Verbindung zu Gott wurde ihm ein Trost in seinen Leiden. Als seine Sehnsucht nach IHM immer größer wurde, hat ER ihn endlich am 9. Juli 2019 zu sich genommen.

Ruhe in Frieden, lieber Alois, und – auf Wiedersehen!

Annemarie Hilscher.