Einleitung

„Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen,
der nach der Hoffnung fragt, die euch erfüllt.“
(1 Petr 3,16)

Die Herausforderungen unserer Zeit im Leben der Kirche sind nicht nur strukturell, sondern auch theologisch. So wie die Strukturen der Kirche dem Wandel unterworfen sind, so sind auch unser Reden von Gott, unsere Art der
Pastoral mit den Fragen der Zeit konfrontiert. Dies betrifft auch die Gemeinden Theresienfeld, Sollenau, Siedlung Maria Theresia und Felixdorf. Nach der Einschätzung der künftigen Entwicklung und nach langen Überlegungen haben sich diese Pfarren entschlossen, aktiv in der veränderten Situation zu agieren und gemeinsam als EINE Pfarre die Zukunft zu gestalten. Durch diesen Entschluss tragen sie den Herausforderungen der kirchlichen Entwicklung Rechnung und gestalten die Zukunft der kirchlichen Gemeinde aktiv vor Ort.
Bei dieser Entwicklung geht es nicht nur um die rechtliche und finanzielle Gestaltung der neuen Pfarre und ihrer Strukturen (um das „Wie?“ der Kirche vor Ort), sondern auch um die Frage der gemeinsamen theologischen Ausrichtung und das Zeugnis über das befreiende Handeln Gottes (das „Was“ der Kirche vor Ort). Diese zwei Zugänge sind schwer und unbefriedigend zu beantworten, wenn die „Warum“-Frage (Warum bin ich Christ / Christin? Warum baue ich mein Leben auf der christlichen Botschaft?) nicht beantwortet werden kann. Diese Überlegungen liegen unserem Pastoralkonzept zugrunde und waren für dessen Erstellung sehr wichtig.


Grundsätzliches

Dieses Pastoralkonzept versteht sich nicht als eine Art Anleitung für die Gestaltung der Pastoral in der neu gegründeten Pfarre. Es versteht sich vielmehr als Wegweiser und als Mittel der Selbstreflexion.
Durch dieses Konzept sollen nur die groben Züge vorgegeben werden, die im Leben der Pfarre und der einzelnen Gemeinden umgesetzt werden sollen. Es versteht sich als unfertig und prozesshaft. Das bedeutet, dass diese Überlegungen und Grundzüge die Arbeit in den Gemeinden prägen sollen. Die Gemeinden arbeiten im Rahmen dieses Konzeptes und entwickeln es weiter. Das Pastoralkonzept dient daher als der gemeinsame Nenner für alle vier Gemeinden, durch den Einheit und Gemeinsamkeit wachsen kann. Zugleich werden auch die Besonderheiten der einzelnen Gemeinden bewahrt, um im Notwendigen die Einheit der Pfarre zu (er)leben.

Leitgedanken

"Wir sind das, was wir denken. Was wir denken, strahlen wir aus.
Was wir ausstahlen, bestimmt unser Leben."
(Quelle unbekannt)

Die folgenden Überlegungen sind für das vorliegende Pastoralkonzept grundlegend und bilden die gemeinsame Basis für das Arbeiten in den Gemeinden und in der Pfarre. Die Antworten sollen durch das Handeln der Gemeinden
sichtbar werden. Sie sind eine Art Charta unserer Pfarre „Zum Guten Hirten im Steinfeld“.

Unsere Grundhaltung

  • Wir sind eine Gemeinschaft von Menschen, die daran glauben, dass die Spiritualität unser Leben bereichert, befreit und ihm Tiefe verleiht.
  • Wir sind eine Gemeinschaft, die sich aus dem Glauben heraus anderen öffnet, sie willkommen heißt und Brücken zu anderen baut – unabhängig von ihrer Rasse, Herkunft, Religion, Geschlecht und sexuellen Orientierung.
  • Wir leben nach dem Vorbild Jesu, weil er uns in seinem Handeln inspiriert, motiviert und uns ein Vorbild für unser Handeln in der heutigen Gesellschaft ist.
  • Durch unsere Einstellung und unser Leben leisten wir einen wichtigen Beitrag zur positiven Entwicklung unserer Gesellschaft vor Ort – einer Gesellschaft, die verantwortlich mit der Umwelt und den Mitmenschen umgeht und die den Menschen nicht als Mittel zum Zweck behandelt, sondern seine Würde schützt und seine spirituelle Dimension
    ernst nimmt.


Unsere Kernaussagen

  • Wir sind davon überzeugt, dass die Menschen unserer Zeit auf der Suche nach einem tieferen Zugang zum Leben sind. Sie suchen nach Erfüllung, Sinn und einem gelingenden Leben.
  • Wir glauben, dass die spirituelle Dimension unserem Leben jene Tiefe und Weite gibt, nach der wir suchen.
  • Der Glaube an einen befreienden Gott, der sich durch Jesus in der Geschichte erkennbar macht, befähigt die Menschen, sich von der Angst zu befreien und stärkt ihr Vertrauen.
  • Dieses Vertrauen schafft in den Menschen neue Handlungsräume, in denen sie aufatmen, Sinn und Erfüllung erfahren und sich vertrauensvoll anderen Menschen in Liebe öffnen können.
  • Der Glaube an Tod und Auferstehung Jesu ist der Glaube daran, dass ein erfülltes und sinnvolles Leben auch angesichts des Scheiterns möglich ist.


Unsere Ziele

  • Wir schaffen Räume, in denen die Entwicklung des Menschen in seiner spirituellen Dimension möglich ist.
  • Wir beleben Räume, in denen wir unseren Glauben feiern, zur Sprache bringen und durch unser Handeln bezeugen.
  • Mitten in der Welt leben wir die Gemeinschaft nach dem Vorbild Jesu, die andere Menschen einschließt und ihr Wachstum ermöglicht.
  • Wir wollen Menschen erreichen, die auf der Suche nach christlicher Spiritualität sind.
  • Als Gemeinschaft der Christen suchen wir einen Dialog mit anderen Religionen und Konfessionen und mit den Menschen unserer Zeit.


Unser Profil

  • Wir sind christlich verankert und leben nach dem Vorbild Jesu
  • Wir orientieren uns an der Bibel und ihrer Botschaft der Nächsten und Gottesliebe


Unsere Zielgruppe

  • Menschen, die auf der Suche nach einer gelebten Spiritualität sind
  • Menschen, die sich für unsere Ziele einsetzen und engagieren wollen
  • Menschen, die Antworten auf existentielle Fragen des Lebens suchen
  • Kinder, Jugend und Familien, die auf dem Weg ihrer (spirituellen) Entwicklung sind

Unsere Kommunikationsmittel

  • Homepage
  • Pfarrblatt
  • Gemeindezeitungen
  • persönliche Kontakte und Begegnungen
  • Vernetzung mit denen, die außerhalb der Pfarre stehen (Wo geschieht bereits Gutes? Wie können wir dazu beitragen?)
  • Liturgie
  • Werbung
  • Feste
  • Persönliche Begegnungen
  • Schaukästen


Unsere Unterstützung

  • durch gegenseitige Vernetzung und Information
  • hauptamtliche MitarbeiterInnen
  • Vikariat, Dekanat, Erzdiözese Wien
  • Gemeinde


Unsere „Gesichter“ nach außen

  • Pfarrer mit pastoralen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen
  • hauptamtliche Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen
  • ehrenamtliche Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen
  • Religionslehrer und -lehrerinnen
  • Pfarrgemeinderat
  • „Kerngemeinden“


Grundprinzipien

1. In unserem Tun schaffen wir Raum für ein Arbeiten aus dem eigenen Glauben heraus. Diese Arbeit soll frei sein von Zwang und Druck. Dadurch entstehende Handlungsräume sind offen für Menschen, die sich beteiligen wollen. Nicht die dauerhafte Bindung der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen an die Strukturen ist das oberste Ziel, sondern das
Entfalten der Charismen jedes und jeder Einzelnen. Dadurch wird sich das Gesicht der Pfarre verändern – manches wird wegfallen und Neues wird wachsen. So soll eine Pfarre entstehen, die den Reichtum der Gaben der Heiligen Geistes entfaltet und diesen im Leben der konkreten Gemeinden sichtbar macht.

2. Ein wichtiger Punkt, der zu dieser Erneuerung führt, ist die pastorale und spirituelle Betreuung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Sie sind jene, die die Botschaft des Evangeliums tragen und auf ihre je eigene
Art und Weise umsetzen. Sie sind Multiplikatorinnen und Multiplikatoren des christlichen Lebens vor Ort.

3. Im Leben der Gemeinde und in ihrem Alltag soll die Reflexion des eigenen Tuns und des Pastoralkonzeptes implementiert werden. Das bedeutet, dass es nicht um die Angelegenheiten der Organisation und Durchführung von Veranstaltungen geht, sondern um die Frage: „Wie können / wollen wir durch unser Tun die Botschaft des Evangeliums konkret umsetzen?“.
Nicht das „Wie?“ der Kirche vor Ort rückt in die Mitte unseres Tuns, sondern die Frage des „Warum?“. Die Gremien und Teams sollen sich zunächst die Frage stellen, wie sie ihre Hoffnung begründen und diese Antwort durch konkretes Tun umsetzen.
Indem wir Christinnen und Christen das Leben im Sinne Jesu feiern (Liturgie), es deuten (Verkündigung), teilen (Diakonie) und gestalten (Gemeinschaft), leben wir die Botschaft des Evangeliums vor Ort in der heutigen Zeit. Dadurch wird Christus in unserer Welt sichtbar.


Konkretisierungen

Die Umsetzung der Grundvollzüge der Kirche unterliegt dem steten Wandel.
Folgende Konkretisierungen sind Schwerpunkte des Pfarrlebens aus der heutigen Sicht.

Liturgie – das Leben feiern

Wir sind bestrebt, jeden Sonntag und an hohen Feiertagen in jeder Gemeinde Eucharistie zu feiern, bzw. je nach Notwendigkeit einen Wortgottesdienst.
Diese Gottesdienste sollen sowohl die Tradition der Kirche widerspiegeln, als auch den spirituellen Bedürfnissen der heutigen Menschen entsprechen.
Die Feier der lebendigen Liturgie soll der Ausdruck der Vielfältigkeit der Charismen sein.
An Werktagen soll jeden Tag innerhalb der Pfarre ein Gottesdienst gefeiert werden.

Verkündigung - das Leben deuten

Erstkommunion

Eine gelingende Erstkommunionvorbereitung beginnt mit einer überzeugenden Taufpastoral. Wir streben an, in Zukunft die Erstkommunionvorbereitung in der dritten Schulstufe und die Erstbeichte in der vierten Schulstufe
anzubieten. In diesen Prozess wollen wir die Eltern enger einbinden. Sowohl die Vorbereitung, als auch die Feier der Erstkommunion finden in den einzelnen Gemeinden statt. Die zentrale Planung obliegt der Pfarre, die Durchführung
den Gemeinden.

Firmung

Wir streben an, die Firmvorbereitung erst ab 16 Jahren anzubieten.
Die Zeit zwischen Erstkommunion und Firmung wollen wir mit geeigneten Angeboten gestalten.

Erwachsenenbildung

Durch Glaubenskurse, Workshops und inhaltliche Aktivitäten sollen den Erwachsenen Möglichkeiten gegeben werden, sich mit dem eigenen Glauben und Christsein auseinanderzusetzen.

Das Leben teilen – Diakonie

Die Menschen vor Ort sind engagiert im vielfältigen karitativen Tun. Diesen Einsatz wollen wir weiterhin unterstützen und die Zusammenarbeit der einzelnen Gemeinden noch mehr vernetzen.


Das Leben gestalten – Koinonia

Wir bieten „Raum“ an: Raum für Stille, Raum für Zuhören, Raum für Gespräch, Raum für Diskussion.

Es gibt viele Bereiche, in denen die Gemeinschaft gelebt wird, z.B.:

  • Senioren und Seniorinnen
  • Familie
  • Gemeinschaft – Beziehung zu anderen Religionen
  • Unsere Beziehung zur politischen Gemeinde und zu Vereinen
  • Verkündigung – Ehevorbereitung
  • Beziehung zur Nicht-Kerngemeinde
  • Alleinerzieherinnen und Alleinerzieher

Für diese Bereiche und auch noch andere, hier nicht aufgelistete, werden sich bei Bedarf aus dem Kern heraus „Teams“ bilden, deren Ziel es ist, Menschen vom Rand der Gesellschaft in die Mitte zu holen.
Wir laden Freiwillige zur Mitarbeit in den verschiedenen „Teams“ ein, sich mit ihren Talenten zur eigenen Freude einzubringen.


Schlusswort

Dieses Pastoralkonzept mit seinen Grundprinzipien möge unserer Pfarre als Wegweiser zum Ziel einer „begeisternden Kirche“ dienen.
So wie der gute Hirte alle seine Schafe kennt und sie beim Namen ruft, so mögen auch wir uns mit den Menschen in unserem Pfarrgebiet persönlich auseinandersetzen. Jeder und jede Einzelne soll uns wichtig sein – die 99, die
mit uns gehen, aber auch das eine verlorene Schaf, das auf der Suche ist. Die Leitgedanken sollen uns helfen, es zu finden.
Und so wie wir volles Vertrauen in Gott haben dürfen und darin, dass er immer mit uns auf dem Weg ist und unsere Bedürfnisse kennt und stillt, so soll auch unsere Pfarre sowohl ein Ruheplatz für alle Menschen sein, als auch eine
Ahnung von der Fülle des Lebens geben und Halt in schwierigen Zeiten bieten.

In Sollenau, am Fest der heiligen Cyrill und Methodius 2017